· 

Green Card Interview

Nächster Halt: Frankfurt Hauptbahnhof. 

 

Endlich nach 3 Jahren warten, 2 Jahre plus ein Jahr Pandemie, war der Tag da! Mein Green Card Interview. Irgendwie war es total unreal und ich war auch sehr aufgeregt. Ich wusste zwar, dass mir ja eigentlich nicht viel passieren konnte, da ich mit meinem Mann seit 11 Jahren zusammen war und wir seit 3 Jahren verheiratet waren. Aber erstens hat dieses Interview für die USA Einwanderung so einen Mythos von „man weiß nie was passiert, evtl. Kommt Tom Cruise von der Decke geschwebt und durchleuchtet dich mit einem grünen Doppellaser. Und zweitens ist dieses Immigrationsthema bei mir total emotional aufgeladen. Ich habe ewig gewartet, weil ein Mann im Weißen Haus jegliche Immigration im März 2020 gestoppt hatte. 

 

Gut, ich war also jetzt tatsächlich in Frankfurt und am nächsten Tag würde mein Interview endlich stattfinden. Ich entschloss mich mir ein Taxi zum Hotel zu gönnen. Mein Taxifahrer war ein älterer Herr ich schätze so 60+. Er sagte zu mir:

„Hätten sie sich nicht ein bisschen beeilen können?“

Ich schaute komisch, da ich den Scherz nicht verstanden hatte. „Ich warte hier seit 5 Stunden auf einen Fahrgast. Sie sind mein erster Gast.“ Wow! Ich war geschockt. Ihm ging es wie mir dachte ich. Er wartete auf Fahrgäste ich auf Zuschauer. Nur hatte er ein Taxi und ich keine Spielstätte. Wir unterhielten uns und kamen natürlich auf das Thema Politik. Es war ein ziemlich wilder Monolog den er von sich gab. Angefangen davon, dass er 1969 als Immigrant nach Deutschland kam und er die AfD bei der Bundestagswahl wählen würde. Da wären wir beinah die Augen rausgefallen. Er wollte mir sogar einen Flyer anbieten, hatte aber zum Glück keinen mehr. Danach schimpfte er über Homosexuelle und alles was da so dazugehört, mein Gesicht viel in eine Schockstarre. Als er dann überging zum  Thema Illuminaten dachte ich mir: „Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt auszusteigen. Zum Glück kamen wir in diesem Moment an der "Villa am Wasserpark“ an. Ich hatte ihm doch noch ein gutes Trinkgeld gegeben, weil es mir leid tat, dass er so wenig Fahrgäste hatte.

 

Da saß ich nun in einer Unterkunft in der Nähe des Konsulates. Es wurde mir von einer befreundeten Visa Anwärterin empfohlen, da man von hier aus zu Fuß in einigen Minuten beim Konsulat ist. 

Als ich das Zimmer betrat musste ich lachen, denn sie hatte recht als sie sagte: „Das Zimmer ist so klein, aber du hast genug Platz um Yoga zu machen. Sie hatte recht! Das Bad war verhältnismäßig groß und das Zimmer klein. 

 

Ich hatte mir mein eigenes Dinner mitgebracht. Brotzeit und eine Fanta am Bahnhof gekauft. Das wurde ein gemütliches Picknick. Weiter Telefonate mit Freunden folgten, die mir toi toi toi wünschten.

Um 20:15 schaute ich mir „Germanys Next Topmodell“ im TV an. Das war eine gute Ablenkung! 

Das Frühstuck hatte ich für 6.30 Uhr gebucht, damit ich da noch in Ruhe sitzen konnte mit hoffentlich einem guten Kaffee.

 

Um 23 Uhr wurde ich müde und rief Mike an. Wir gingen nochmal alles mögliche durch. Ich hatte jeden Tag in der Woche Vorbereitungszeit alle Dokumente durchgeschaut, damit ich auch alles habe und immer wieder Dokumente ausgedruckt und hinzugefügt, die bewiesen, dass wir ein Paar waren

Immer wieder schlief ich ein und wachte wieder auf. Dann gingen mir jedesmal alle möglichen Fragen durch den Kopf. Plötzlich hörte ich Vögelgezwitscher. Ich war also doch irgendwann eingeschlafen. Süß wie die kleinen Vögelchen mich mitten in Frankfurt wach gesungen hatten. Es war kurz vor 6 Uhr. Ich machte mich fertig für das Frühstück. Es war spartanisch aber für 9,50€ ok. Eine asiatische junge Frau mit NASA Pulli und ein asiatischer Mann waren beim Frühstück. Sie wollten wohl auch zum Konsulat. Außerdem zwei Bauarbeiter. Eine Frau kam mit einem riesigen Koffer hinter sich ziehend dazu und in der anderen Hand einen großen fetten Ordner mit bunten Trennblättern. Auch sie wollte wohl zum  Konsulat, war aber wohl zu nervös um zu essen und düste gleich wieder ab. Ich bekam nicht viel runter und ging nach einer halben Stunde wieder auf mein Zimmer. Jetzt hatte ich noch eine weitere Stunde bevor ich los musste, was sollte ich denn jetzt so lange machen? Natürlich ging ich noch mal meine Dokumente durch. Zog mein Interview Outfit (schwarze Turnschuhe, schwarze Jeans, dunkelblaue Zipperjacke mit Blumen)  an und entschloss mich dann Musik zu hören und durch das kleine Zimmer zu tanzen.

Ich musste einfach meine nervöse Energie loswerden.

Mein Magen machte sich auch schon bemerkbar und hatte nervöse Zuckungen.

 

Um kurz nach acht ging ich los und hörte Beyoncé live vom Coachella. Sie sang mir in die Ohren und ich ging beflügelt und mit Vorfreude die Straße entlang. Girlboss Style. Innere Einstellung ist ja schliesslich die halbe Miete.

Da sah ich es. Hohe eiserne Zäune umrandeten die Gebäude. „Wow, das ist ja ein richtiger Häuserblock hier.“

 

Das Areal des Konsulats war wirklich riesig und ich lief ehrfürchtig daran entlang. Ich kam an einer Art Gate an und blicke nicht durch, wo ich hin musste und es war auch niemand zu sehen. Plötzlich hörte ich durch ein Mikrofon: „Ma’am, can I help you?“

Ich ging zu einem Fenster wo mir erklärt wurde, dass ich zu einem anderen Fenster gehen sollte um mich dort anzumelden. An dem zweiten Fenster wurde ich auf einer Liste abgehakt und mir wurde eine Nummer gegeben: W007

 

Es ging weiter durch einen Security Check ähnlich wie am Flughafen. Alle waren total nett. Ich muss mein Handy ausschalten und abgeben genauso wie meine AirPods. Außerdem konfiszierten sie ein Parfüm Probespray und meine Rescue Tropfen. Schlechte Idee, die wollte ich mir doch vorher im Notfall noch unter die Zunge tröpfeln.

 

Ich lief in das nächste Gebäude wo ich zum dritten Fenster ging. Dort stand ein Mann dahinter, der perfekt Deutsch sprach. Ich war kurz verwirrt. Er nahm meinen Pass, Passbild und Zustellungsbescheinigung und bat mich Platz zu nehmen. Die Stühle standen alle mit Abstand auseinander. Es waren zehn weitere wartende. Ein Mann saß strümpfig im Schneidersitz auf seinem Stuhl und meditierte. „Hui, der ist nervöser als ich“, dachte ich. Nach einigen Minuten wurde ich zum nächsten Schalter aufgerufen. Dort saß eine hübsche junge Blondine die auch fließend Deutsch sprach. Ich war wieder verwirrt. Sie nahm mir meine originalen Dokumente ab die ich mitbringen sollte und bat mich um zwei weitere Dokumente meines Mannes. Zum Glück hatte ich diese dabei. Sie erklärte mich noch einiges und bat mich wieder hin zu setzen. Jetzt wusste ich der nächste Schalter ist der, der zählt.

Alle saßen mucksmäuschenstill da, denn leise sein hatte einen Vorteil.

Da alle Schalter über Sprechanlage kommunizierten, konnte man teilweise bei den Interviews zu hören. Was ich irgendwie total verstörend fand, da es ja dort um private Sachen ging. Jedoch konnte man hören was gefragt wurde und hat in Gedanken gleich mit geübt. Ich fühlte mich ziemlich ruhig und hatte plötzlich keine Angst mehr. Ich beobachtete die Dame mit dem Koffer und dem großen Ordner, wie sie mühselig auf Deutsch die Fragen beantwortet. Als ihr Visum genehmigt wurde, war sie so erleichtert und ich hatte das Gefühl sie würde am liebsten jeden umarmen. Ich freute mich für Sie mit.

 

Es ertönte ein Gong und meine Nummer blinkte rot auf der Tafel. Es war soweit. Ich ging zu einem Schalter wo ein älterer Herr in Anzug und Krawatte dahinter stand. Nachdem wir geklärt hatten in welcher Sprache ich das Interview gerne machen wollte, Englisch, musste ich einen Schwur ablegen. Während des Schwurs blickte er mir so krass in die Augen, dass ich dachte er hypnotisiert mich jetzt gleich mit seinen eisblauen strahlenden Augen. Es wurden Fingerabdrücke genommen und es ging los mit der ersten Frage. Alle Fragen waren Standard Fragen und ich war dafür sehr dankbar. Plötzlich war ich so entspannt, dass ich sogar zwei Scherze machte, die er auch lustig fand. 

 

Eine finale Entscheidung traf er nicht, da er noch meine medizinische Untersuchung abwarten musste. Aber er lächelte mich freundlich an und mir war eigentlich schon klar, dass das jetzt gut lief. Er behielt meinen Pass, was ein gutes Zeichen war und gab mir meine Unterlagen zurück.

Er verabschiedete sich von mir und wünsch mir einen schönen Tag. Ich ging zu einem Stuhl und fummelte mühselig meine originalen Urkunden in die Folien zurück. Auf einmal kam die ganze Nervosität raus und ich musste mich wirklich konzentrieren meine Sachen zu packen. Ich ging nach draußen, holte mein Handy und meine Rescue Tropfen und verließ das Konsulat.

 

Ich weiß ehrlich nicht mehr so ganz genau was ich auf dem Weg zurück zum Hotel gemacht, gedacht oder gefühlt habe. Ich weiß nur dass ich dann irgendwann mit meinen Eltern am Telefon hatte. 

Ich setzte mich erleichtert aufs Bett und konnte nicht glauben dass es vorbei war.

Drei Jahre lang hatte ich gewartet und 10 Minuten Gespräch entschieden meine Zukunft. Irgendwie absurd. 

 

Wie sagt Mike immer:

„Life comes down to a few Moments and this is one of them!"

"Das Leben kommt auf wenige Momente an und dieser ist einer davon"

In den 7 Monaten die ich in Deutschland in meinem Provinzkinderzimmer festsaß, habe ich einiges an Tipps & Tricks ausprobiert um innerlich stabil zu bleiben. Die besten 7 Tipps habe ich in einem kostenlosen Guide zusammengestellt. Lade ihn dir gerne herunter! Alle Tipps sind von dem NYC Mindset inspiriert. 

Wenn Dir diese Story gefallen hat darfst du gerne aufspringen auf den Rollercoaster Newsletter. Auf der Website ist das eintragen rechts, bist du gerade über das Handy hier findest du das Formular ganz unten. Du erhältst kleine wöchentliche Inspirationen für Herz & Kopf und ich sage Dir Bescheid, wenn eine neue Story online ist. Ansonsten sprechen wir uns vielleicht auf Instagram. 

Write a comment

Comments: 0