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Von Brooklyn ins Provinzkinderzimmer

Ich liege in meinem warmen Bett und starrte an die Decke. Dort sehe ich kleine Leuchtsterne kleben, die ich vor 30 Jahren dort hingeklebt habe. Sie leuchten immer noch, sowie am ersten Abend. „Da muss ganz schön viel Chemie drin stecken“ denke ich mir. Es fühlt sich an als würde ich auf mein altes Leben zurück blicken.

 

Seit 5 Monaten bin ich nun in Deutschland und war nicht mehr in meiner Wohnung in Brooklyn. Ich lebe aus einem Koffer in meinem Kinderzimmer.

In diesen Monaten habe ich immer versucht stark zu sein und auch das positive zu sehen: wo liegt in dieser Situation jetzt das Geschenk? Ich habe viele metaphorische und emotionale Geschenke gefunden und bin gewachsen in eine neue Richtung, wie ich es mir vorher nicht hätte vorstellen können.

 

Die ersten Wochen waren natürlich super hart, ich musste erst mal das Passierte verstehen und verarbeiten. Es flossen viele Tränen über die Ohnmacht der Situation und das ich abhängig war von den Entscheidungen die Politiker treffen. Diese Entscheidungen veränderten mein Leben komplett und stellten es auf den Kopf. Das ist etwas was ich mir niemals hätte vorstellen können. Solche  Geschichten lese ich in der Zeitung, von Menschen die in Kriegsgebieten Leben oder in anderen Kulturen. Menschen die von ihren Liebsten getrennt sind. 

Ich hatte ernsthaft geglaubt das sowas anderen passiert, aber doch nicht mir! Tja, falsch gedacht!

Seit 2020 ist uns wohl allen bewusst, dass politische Entscheidungen uns alle betreffen und wir uns definitiv an Wahlen beteiligen müssen und uns informieren sollten was politisch so los ist. Nun gut mein Leben wurde verändert und jetzt sitze ich also fest in einem kleinen fränkischen Dorf. Meine Heimat. Ich komme gerne nach Hause um meine Familie und meine Freunde zu sehen, aber es fühlt sich dann wie ein kurzer Besuch an, in dem ich alles aufsauge was mich ausmacht und wo ich herkomme. Diesmal fühlte es sich jedoch an, als würde ich wieder nach Hause zurück ziehen, kurz nachdem ich meinen 40. Geburtstag gefeiert hatte.

 

Am Anfang hatte ich immer noch das New York City Mindset in mir abgespeichert. Ich war taff, resilient und wusste ich komm da durch und ich mach jetzt das Beste daraus. Ich nahm die Situation einfach an und genoß es Zeit mit meinen Eltern zu verbringen. Außerdem hatte ich jetzt die Möglichkeit in München Zeit mit meinen Freunden und früheren Arbeitskollegen zu verbringen. 17 Jahre hatte ich in München gelebt, es fiel mir also nicht schwer mich auch dort wieder ein zu leben.

 

Die Wochen vergingen und plötzlich bemerkte ich das alte Dynamiken wieder aufploppten. Wenn man wieder länger mit seinen Eltern zusammen lebt ist es ganz normal, dass die Eltern Kind Dynamik wieder voll im Gange ist. Das ist irgendwie total schön, aber irgendwie auch sehr seltsam, da man ja erwachsen ist und sein eigenes Leben normalerweise lebt.

 

Ich wurde bekocht, für mich wurde gewaschen, ich habe mich nicht um den Haushalt kümmern müssen, wunderbar das Leben als Kind. Bis ich irgendwann gemerkt habe, dass ich nicht mehr meinen eigenen Tagesablauf hatte, sondern mich komplett angepasst hatte. Und da kam sie, die innere Rebellion. Also fing ich an mehr meinen eigenen Tagesablauf zu suchen und mich im Haushalt einzubringen. Das half mir mich freier zu fühlen.

 

Nach zwei Monaten bemerkte ich plötzlich eine weitere erschreckende Veränderung. Gedanken die meinem jüngeren Ich gehörten schlichen sich in die Gedanken meines jetzigen Erwachsenen Ich’s.

Unsichere, zweifelnde und klein machende Gedanken.

„Echt jetzt? nicht wirklich! Das darf ich nicht zulassen“, dachte ich.

Ich hatte so viel Kraft und Zeit investiert, um diese Gedanken los zu werden und das Leben in London und New York hatte mir extrem dabei geholfen größer, weiter und selbstbewusster zu denken. Und nun waren sie wieder da, die klein machenden Gedanken. Frustration und Erschöpfung machten sich in mir breit.

 

Zuerst  habe ich aktiv versucht diese Gedanken zu unterdrücken und sie zu ignorieren. Denn mit diesen Gedanken schlichen sich auch diese alten Gefühle von Unsicherheit und Schüchternheit mit ein. Ich fing an mir Sorgen zu machen bis hin zu dem Gedanken:

„Vielleicht ist es doch besser, wenn Mike und ich nach Deutschland ziehen!“

Bitte was?!

Das war der Moment wo ich wusste, meine Unterdrückungstaktik funktioniert nicht. Nach Jahren voller Anstrengung und neuen Herausforderungen ist das das Endergebnis? Also da musste ich ganz schnell die Notbremse für dieses absurde Gedanken Karussell ziehen. Es fühlte sich an wie aufgeben. All meine Träume und Wünsche waren innerhalb 1 Sekunde verpufft. Wie ein Schnippen gegen eine Seifenblase. PENG!

 

Ich musst also eine Strategie entwickeln, um mich in das New York City Mindset zurück zu versetzen. Ich habe zwei Methoden gefunden, die mir halfen mich wieder freier und inspirierender zu fühlen. Vielleicht helfen sie auch dir, gewisse Gefühl in dir bereitzustellen, die dir in deinem Leben dienen dich freier und fröhlicher zu fühlen, anstatt diesem langweiligem selbstzerstörerischen Gedankenkarussell zu zu hören.

Trick 1: 

Was mir bis heute super hilft ist Musik. Lieder die ich mit New York City verbinde und die die Energie der Stadt und der Menschen in meine Zellen einweben. Songs wie „Empire State of Mind“ oder „New York Stadt of Mind“ sind meine Favoriten. Wenn ich diese Songs höre spüre ich richtig das vibrieren der Stadt in mir. Wenn Du dich gerne an einen Moment am Strand erinnern magst, weil er dir Ruhe und Gelassenheit gibt dann suche Dir Songs, die das Gefühl in dir reflektieren. Wenn Du keine findest, kannst du dir einfach Meeresrauschen anhören. Oder Bob Marley - er schafft es leicht, dass man sich chilliger fühlt. Ich habe mir sogar Geräusche von der NYC Subway angehört, um mich in das Mindset zu versetzten. Sofort spürte ich wie ich am Bahnsteig stehe und auf den F Train warte. Die NYC Subway kannst Du dir hier anhören.

 

Während ich Songs oder Geräusche anhöre, stelle ich mir vor wie ich durch die Straßen von Brooklyn oder Manhattan laufe, wie ich am Wasser sitzend auf die Skyline schaue, einfach alles um das NYC Gefühl in mir präsent zu machen. Wenn ich die Augen schließe und mir das vorstelle ist es so als wäre ich vor Ort und dann lasse ich einfach das Gefühl durch meinen Körper rauschen und lade meine Zellen mit der New York City Energie auf. Wie schon erwähnt kannst du dich auch mit Energie eines anderen Ortes aufladen, was immer dir gut tut. Manchmal braucht man eine hohe Energie manchmal eine entspannende, je nachdem in welcher Situation du dich gerade befindest. 

Trick 2:

Ich versuche jeden Tag mich so anzuziehen, wie ich mich in New York anziehen würde, die casual Variante. Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich in letzter Zeit öfters irgendwelche Klamotten aus dem Koffer zu holen, egal wie die zusammenpassen. Und ich benutzte Trockenshampoo viel zu oft, weil es mir einfach egal war wie ich aussah. „Interessiert im fränkischen Dorf im Lockdown sowieso keinen“, dachte ich. Dress for success - egal wo du bist und es wird dich in die richtige Richtung und Stimmung bringen.

Diese beiden Tricks haben mir geholfen mich neu auszurichten. Es klappt natürlich nicht jeden Tag gleich gut, an manchen Tagen ist einfach ein bisschen der Wurm drin. Aber wenn es schon jeden zweiten Tag klappt, hab ich schon was gewonnen. Übung macht den Meister.

 

Unsere Umgebung prägt uns und ich denke es ist am wichtigsten das zu erkennen und es sich bewusst zu machen, damit man reagiert und etwas verändern kann. Denke daran dich um dich und dein Wohlbefinden zu kümmern.

 

Ich lebe immer noch in meinem Kinderzimmer, aber ich sehe es jetzt als neues Abenteuer. Nicht als ein zurückgehen, sondern als ein nach vorne gehen. Da fällt mir gerade ein Spruch ein, den ich mal gelesen habe: unterschätze nie einen Menschen der einen Schritt zurück macht. Er könnte Anlauf nehmen!

Ich bin zurück gegangen in die Welt meines alten ich’s, um mich noch mal ganz genau um zu schauen wo ich herkomme. Und um jetzt voller Elan nach vorne zu laufen und stolz zu sein auf das, was ich erreicht habe.

 

Wir sollten alle stolz darauf sein, was wir erreicht haben. Niemand ist mehr die selbe Version als vor 10 Jahren. Und wir können unserem alten ich winken und sagen „Das hast du gut gemacht! ich bin stolz auf dich und jetzt starten wir durch!“

In den 7 Monaten die ich in Deutschland in meinem Provinzkinderzimmer festsaß, habe ich einiges an Tipps & Tricks ausprobiert um innerlich stabil zu bleiben. Die besten 7 Tipps habe ich in einem kostenlosen Guide zusammengestellt. Lade ihn dir gerne herunter! Alle Tipps sind von dem NYC Mindset inspiriert. 

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Comments: 1
  • #1

    Anise (Sunday, 07 March 2021 03:57)

    ��Ein wirklich guter Text. Super Susanne!